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![]() Nichtmedikamentöse Therapie der Insomnie--Göran Hajak
In der Therapie der Insomnie, d.h. von Ein- und/ oder Durchschlafstörungen, ist
die Verschreibung von Schlafmitteln ein Standardverfahren. Etwa
jeder zehnte Deutsche sowie fast die Hälfte derer, die mindestens gelegentlich
unter Ein- oder Durchschlafstörungen leiden, nehmen Schlafmittel zu sich [50].
Schlafmediziner fordern allerdings seit langem, den Therapieschwerpunkt mehr auf nichtmedikamentöse
Therapieverfahren der Insomnie zu verlegen und jede Schlafmittelanwendung
grundsätzlich mit nichtpharmakologischen Verfahren zu begleiten [6115].
Als nichtpharmakologische Therapieverfahren gelten alle Maßnahmen
zur Behandlung und Verbesserung des Schlafes eines Patienten, die:
Neben Basisverfahren (Aufklärung und Beratung des Patienten über den Schlaf)
umfassen sie verhaltenstherapeutische Techniken (Schlafhygiene, Stimuluskontrolle,
Schlafrestriktion etc.), Entspannungsverfahren (Muskelrelaxation, autogenes Training etc.) und Psychotherapie
im engeren Sinn (Verhaltenstherapie), interpersonelle Psychotherapie, tiefenpsychologiscbe
Psychotherapie) - siehe dazu Tabelle 1.
Zahlreiche Publikationen geben einen Überblick über Techniken,
Indikationen, Anwendungsempfehlungen und den therapeutischen Erfolg
der einzelnen Therapieverfahren [9/10/11/12/17/19/ 23/30/34/32/42/43/49].
Metaanalysen von Studien psychologischer Therapieverfahren der Insomnie
geben einige Anhaltspunkte für das Vorliegen von differentiellen Wirkeffekten
einzelner Therapieformen [32/39/40/44].
Psychologische und psychotherapeutische Behandlungstechniken
sind ein unverzichtbarer Teil der Therapie von Insomnien, da sie darauf abzielen:
Die Wirksamkeit psychologischer und psychotherapeutischer Therapieverfahren der Insomnie ist unbestritten. Übereinstimmend zeigen mehrere Studienanalysen, daß etwa zwei Drittel der Patienten geholfen worden kann [z.B. 10/32/39/40]. Die Effekte bleiben dabei über längere Zeit stabil. Nichtpharmakologische Therapieformen sind grundsätzlich für alle primären/psychophysiologischen Insomien geeignet. Darüber hinaus sind sie als zusätzliche Verfahren auch bei körperlichen und durch psychiatrische Erkrankungen bedingten Insomnien indiziert, da auch sekundär schlafstörungsverstärkende Einflüsse damit zu behandeln sind.
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Für die psychologische Insomnietherapie ist der Entstehungsmechanismus
vor allem chronischer Insomnien von Bedeutung. Chronische Schlafbeschwerden
entstehen zumeist aus einer komplexen Wechselbeziehung von physiologischen,
kognitiven, psychosozialen und verhaltensmedizinischen Faktoren [12].
Belastungen in der Lebensgeschichte (z.B. Krankheit, Partnertrennung,
Berufsstress, Arbeitslosigkeit) und/oder unbewußte Konflikte führen im
allgemeinen zur Erstmanifestation der Insomnie und fördern im weiteren
Verlauf deren Aufrechterhaltung. Tragender Moment der Erkrankung ist zumeist das Zusammenwirken eines aus psychischer Dauerbelastung erwachsenden psychophysiologischen Erregungszustandes (Hyperarousal) mit einem gelernten Fehlverhalten im Umgang mit dem Schlaf. Auch nach dem Wegfall der für die Schlafstörung ursächlichen Faktoren stellt dieses Hyperarousal eine bleibende Disposition zur permanenten Stressreaktion dar. Dies äußert sich in einem erhöhten Erregungszustand des Nervensystems, entweder körperlich (Muskelanspannung, Ruhelosigkeit) oder geistig (Ärger, Problemgrübeln, pausenlos einschießende Gedanken) [17/ 20/48]. All diese Krankheitscharakteristika sind der Ansatzpunkt psychologischer und psychotherapeutischer Therapieverfahren.
Psychologische Therapieverfahren wollen den Schlaf und das subjektive Schlafempfinden verbessern. Um dies zu realisieren, werden folgende Teilziele angestrebt:
Psychologische und psychotherapeutische Verfahren wollen den Schlaf nicht "erzwingen". Vielmehr zielen nichtmedikamentöse Therapieverfahren auf folgende Aspekte, die für guten Schlaf notwendig sind [15154]:
Psychologische Therapieverfahren sind dann wirksam, wenn die Verfahren nicht nur sachkundig angeleitet und konsequent durchgeführt werden, sondern auch das für den Patienten geeignete Verfahren ausgewählt wird. Dies setzt voraus, daß dem Therapeuten nicht nur das Krankheitsbild sondern auch die Persönlichkeit des Patienten bekannt ist. Dabei ist es hilfreich, den Patienten als Mitarbeiter bzw. als Wissenschaftler in eigener Sache zu gewinnen [23]. Er diskutiert mit dem Therapeuten seine Symptomatik und die Auswahl der angebotenen Therapieverfahren. Er kann so die Logik therapeutischer Verhaltensänderungen besser verstehen, wird als "Co-Therapeut" in die aktive Gestaltung seiner Therapie einbezogen und aus der Rolle des passiven Opfers gelöst. Es hat sich gezeigt, daß nicht zuletzt deshalb zahlreiche schlafgestörte Patienten die nichtmedikamentösen Behandlungsverfahren einer pharmakologischen Behandlung vorziehen. Ärzte, die weder auf die Behandlung von Schlafstörungen spezialisiert noch psychotherapeutisch ausgebildet sind, können verhaltenstherapeutische Techniken sinnvoll einsetzen, wenn sie sich auf einfache Verfahren wie Aufklärung, Beratung, Schlafhygiene, Stimuluskontrolle oder Entspannungsverfahren beschränken [17].
Eine Grundmaßnahme für jeden Arzt ist die Beratung seines Insomniepatienten.
Diese haben häufig völlig falsche Vorstellungen über ihren und vor allem den
idealen Schlaf. Dies erschwert ein entspanntes Verhältnis zum Schlaf, fördert
Ängste und Unsicherheit, die das Einschlafen verhindern. Die Patienten sollten daher über grundlegende Sachverhalte der Schlafregulation informiert werden, z.B. darüber daß:
Erste eigenständige Maßnahmen des Patienten zur Verbesserung seines Schlafes basieren auf einfachen Empfehlungen des Arztes für den Umgang mit dem Schlaf. Sie zielen auf die Veränderung von den Schlaf negativ beeinflussenden Verhaltensweisen [22]. Es ist eine erforderliche Maßnahme für jeden schlafgestörten Patienten, seinen Umgang mit dem Schlaf in mindestens 3 Verhaltensweisen zu ändern, durch die er in der letzten Zeit sein Schlafvermögen beeinträchtigt hat. Schlafhygiene heißt das Stichwort, welches den idealen Umgang des Menschen mit seinem Schlaf und konsequentes schlafförderndes Verhalten beschreibt. Schlafhygiene möchte folgendes erreichen [12/ 15/23]:
Schlafhygiene gibt dem Patienten Regeln für seinen Umgang mit dem Schlaf [23/22/34]:
Die Regeln der Schlafhygiene sind ein elementarer Baustein der Insomnietherapie [34]. Dabei hat die Beschäftigung des Patienten mit Schlafhygiene vor allem einen guten Effekt auf die kognitive Bewertung der Schlafstörung, während die notwendigen Verhaltensänderungen selbst schwieriger zu erreichen sind [42]. Die Basisverfahren Aufklärung, Beratung und Schlafhygiene reichen bei ausschließlicher Anwendung oftmals nicht für eine erfolgreiche Behandlung aus, da es häufig an der konkreten Umsetzung der vermittelten Regeln mangelt [33]. Dennoch haben auch einmalige Beratungsgespräche einen längerfristigen positiven Effekt auf den Umgang mit der Schlafstörung [18/24]. Die Patienten fühlen sich ernst genommen, Wissenslücken und Vorurteile sowie Ängste werden abgebaut und es kann zu einer Umbewertung der Störung kommen.
Viele Schlafgestörte versuchen verzweifelt einzuschlafen, wollen den Schlaf erzwingen und geraten so immer mehr in einen Zustand von Ärger und Erregung. Oft führt schon das Betreten des Schlafzimmers, spätestens das Schlafengehen, wie bei einem trainierten Reflex zu vollständiger Wachheit. Das Bett wirkt dabei als Signal für die über lange Zeit gemachten Erfahrungen, in ihm nicht schlafen zu können, wachzuliegen, zu grübeln und sich zu ärgern. Mit der Stimuluskontrolle wird die oft unbewußte, bereits verselbständigte gedankliche Verbindung zwischen Schlafumgebung (Bett, Schlafzimmer) und Wachliegen wieder gelöst. Ziel dieses Verfahrens ist es, daß das Zubettgehen wieder mit angenehmen Gefijhlen und der Erfahrung, einschlafen zu können, verbunden wird [3]. So folgt der Patient bei der Stimuluskontrolle einer Reihe von Verhaltensregeln:
Beachten Patienten diese Regeln, so schlafen sie in den ersten Nächten gewöhnlich weniger als zuvor. Es ist von großer Bedeutung, sie von vornherein auf diesen Effekt hinzuweisen und zu betonen, daß sich der Schlaf erst nach einigen Tagen ggf. Wochen bessern wird [34/35/42]. Unter den verhaltenstherapeutischen Techniken zeigt die Stimuluskontrolle die höchste Effektivität und das günstigste Verhältnis von Aufwand und Therapieerfolg, wenn die Regeln konsequent befolgt werden [9/10/11/32/35/42/44]. Für den Therapieerfolg muß der Patient engmaschig durch den Therapeuten motiviert werden. In Kombination mit Entspannungsverfahren [34] oder Schlafhygiene [22] sind mit der Stimuluskontrolltherapie besonders gute Therapieerfolge zu erzielen.
Entspannungsverfahren sind Therapieverfahren welche den meisten Insomniepatienten zugänglich sind und daher unbedingt eingesetzt werden sollten. Sie vermindern Anspannung und Angst, setzen die physiologische Erregungsbereitschaft herab und verändern bestimmte psychische Funktionen, z.B. die Vigilanz oder die Störbarkeit durch äußere oder i nnere Reize [7/30]. Die Effekte von Entspannungsverfahren werden zum einen der tatsächlichen somatischen Entspannung zugeschrieben, zum anderen der kognitiven Fokussierung durch die Konzentration auf die Übungen. Wichtig ist, daß die gewählte Methode unter Anleitung eines Fachmannes ausführlich erlernt wird. Ein wesentlicher Vorteil der Entspannungsverfahren ist, daß sie von zahlreichen Institutionen (in Deutschland z.B. Krankenkassen, Fortbildungsinstitute) kostengünstig angeboten werden. Entspannungsverfahren sind vor allem für solche Patienten geeignet, die stark psychisch oder physisch angespannt sind. Die Verfahren können bei Patienten, welche trotz eines entspannten Zustandes nicht schlafen, zu einer weiteren Schlafverschlechterung führen. Der beste Therapieeffekt ist bei Patienten zu erzielen, die überwiegend Einschlafstörungen haben und solchen, die stark muskulär angespannt sind.
Obwohl die Entspannungstechniken als wirkungsvolle Therapiemaßnahmen einzustufen sind, birgt insbesondere die Phase des Übens Probleme, wenn das Training nicht lange genug dauert oder die Technik zu früh als Einschlafhilfe eingesetzt wird. Dies führt dazu, daß die Patienten entweder die Technik noch nicht vollständig beherrschen oder die erwünschten Effekte noch nicht vollständig erleben können. Weiter zeigt die klinische Erfahrung, daß Insomniepatienten bei der Selbstanwendung von "kognitiven" Entspannungsverfahren (z.B. autogenem Training) erhebliche Schwierigkeiten haben können, von eher "mechanistischen" Techniken (wie z.B. Muskelrelaxation) hingegen relativ rasch profitieren. Um die Effektivität von Entspannungsverfahren auszuschöpfen kann es daher sinnvoll sein, dem Patienten zu einem längeren Besuch eines Entspannungskurses zu raten [15].
Die Schlafrestriktion ist vor allem für schwer Schlafgestörte eine gut wirksame Therapieform [40/5 1 ]. Das Verfahren ist sehr anstrengend und verlangt einen willensstarken Patienten. Viele Patienten können es nur umsetzen, wenn sie Urlaub haben und vorübergehende Einbußen ihrer Tagesbefindlichkeit in Kauf nehmen können oder in stationärer Behandlung sind.
Kognitive Verfahren stellen die dysfunktionalen Gedanken des Patienten in Bezug auf seinen Schlaf in den Mittelpunkt der Therapie. Sie gehen von der Hypothese aus, daß Patienten bei einer Schlafstörung häufig kognitiv angespannt sind. Im allgemeinen sollen kognitive Verfahren von geübten Therapeuten eingesetzt werden, die dem Patienten die Inhalte der Techniken fachgerecht vermitteln können [15/37]:
Die kognitiven Techniken werden meistens nicht als ausschließliche Therapieform eingesetzt, sondern in Kombination mit weiteren Behandlungstechniken. Als eines der wirksamsten nichtmedikamentösen Verfahren hat sich in einer Metaanalyse die kognitive Entspannung erwiesen [40].
Psychotherapie im engeren Sinne bietet sich insbesondere dann an, wenn die Schlafstörung ein Randsymptom eines komplexeren psychischen Krankheitsbildes ist (z.B. Depression, Angsterkrankung, psychogen-psychoreaktive Insomnie) und ein therapeutisch angehbarer Konflikt die Symptomatik verursacht hat oder erhält. Hinsichtlich einer solchen Indikation liegen jedoch nur wenige ausführliche Darstellungen vor [2/4/57]. Da Insomniepatienten in der Regel ein somatisches Krankheitsmodell ihrer Schlafstörung haben und sich nur ungern davon trennen, müssen sie vorsichtig an eine Psychotherapie herangeführt werden. Zudem stehen diese Patienten einer Psychotherapie nicht selten mißtrauisch gegenüber, da sie anhaltende emotionale Konflikte tagsüber eher verdrängen, bzw. bagatellisieren, was nächtliche Grübeleien und Sorgen zur Folge hat [15]. Die Psychotherapie von Schlafgestörten umfaßt in ihren verschiedenen Ausführungen Therapieverfahren, die störungsspezifisch und nicht störungsspezifisch sein können. Störungsspezifische Verfahren stellen die Therapie eines Zielsymptomes, hier die Insomnie, in den Mittelpunkt der Behandlung. Störungsunspezifische Verfahren sind demgegenüber auf eine Umstrukturierung der Konfliktlösungen und Persönlichkeit ausgerichtet. Da bei psychogenen Insomnien ursachenorientiert behandelt wird, kann es neben der Verbesserung der Insomnie zu einer Änderung von Persönlichkeitseigenschaften in relevanten Bereichen und zu einer Verbesserung der allgemeinen Problemlösefähigkeit kommen. Folgende im engeren Sinne psychotherapeutisehe Verfahren werden bei Insomniepatienten eingesetzt:
Im Vergleich zu den initial genannten Techniken sind Psychotherapien im engeren Sinne nicht nur aufwendiger, ihre Anwendung bedarf auch einer spezifischen Ausbildung des Therapeuten. Dies beschränkt ihre Einsatzmöglichkeit im einzelnen ebenso wie die Beurteilbarkeit der Therapieeffektivität im Generellen. Es verwundert also nicht, daß hierzu nur vereinzelt systematische Studien vorliegen. Hierbei erwies sich die Gesprächspsychotherapie als ebenso effektiv wie Autogenes Training und Biofeedback [8]. Generell scheint zu gelten, daß - bezogen auf das Symptom Insomnie - eine direkte, den Patienten aktiv einbeziehende Behandlung ebenso wie eine Kurzzeittherapie oft wirksamer sind als eine passive langfristige Therapie [4].
Ein einziges psychologisches Therapieverfahren bringt bei präziser Durchführung durchaus keinen schlechteren therapeutischen Erfolg als der kombinierte Einsatz mehrerer Verfahren [32/44]. Dennoch werden vor allem von Schlafspezialisten in multimodalen Therapieansätzen nahezu alle verfügbaren nichtmedikamentösen Therapieverfahren kombiniert [22/26/27/55]. Im allgemeinen werden hier in mehrwöchigen Stufenprogrammen Basisverfahren, kognitive Verfahren und Entspannungstechniken miteinander verschränkt eingesetzt und durch Elemente der Psychotherapie erweitert. Diese Therapieform kann in Gruppen durchgeführt [1/7/26/31] und mit konfliktzentrierten Einzelgesprächen kombiniert werden. Diese Konzepte sind stationär [55], aber auch im ambulanten Bereich [47] erfolgreich umgesetzt worden, verlangen allerdings eine intensive Einarbeitung des Therapeuten und bedürfen eines hohen Zeitaufwandes, der von einer nicht psychotherapeutisch ausgerichteten ärztlichen Praxis nur selten geboten werden kann.
Experten der Schlafmedizin sind sich einig, daß jede medikamentöse Therapie der Insomnie mit einem nichtmedikamentösen Therapieansatz kombiniert werden muß [15]. Dies können Einzelelemente psychologischer Verfahren sein (wie z.B. Scblafbygiene, Stimuluskontrolle, Entspannungsverfahren), die im jeweiIigen Arbeitsfeld des Arztes umsetzbar sind. Demgegenüber wird sehr kontrovers diskutiert, ob ein primär nichtmedikamentöser Therapieansatz mit einer Schlafmitteleinnahme kombiniert werden kann. Dies erwächst aus grundlegenden Überlegungen zur Psychotherapie und nicht zuletzt auch daraus, daß eine kritiklose Langzeitverschreibung von Schlafmitteln die für die Patienten notwendigen nichtmedikamentösen Therapieansätze erschwert, wenn nicht sogar verhindert. Bei Psychotherapien von Schlafgestörten mit einer aufdeckenden Konfliktbearbeitung wird die Applikation von Schlafmitteln am heftigsten abgelehnt, da angenommen wird, daß schlafanstoßende, sedierende, angst- und depressionslösende Präparate den psychotherapeutischen Zugang erschweren können. Bei der Kombinationsbehandlung besteht zudem die Gefahr, daß die psychologische Behandlung gegenüber der Pharmakotherapie in den Hintergrund tritt [15]. In mehreren Therapiekonzepten wurden dennoch nichtmedikamentöse Verfahren erfolgreich mit einer Schlafmitteleinnahme kombiniert [38/40]. Mit der kontrollierten Bedarfsintervalltherapie [16/17] wird versucht, die Hypnotikatherapie selbst in ein verhaltenstherapeutisches Konzept einzubinden, indem die intermittierende Gabe von Hypnotika mit einer bedarfsgerechten Anwendung der Einzeldosen nach eigener Entscheidung des Patienten kombiniert wird. Die Tabletteneinnahme wird am Wochenbeginn für maximal drei Nächte geplant, die vor Tagen liegen, an denen der Patient meint, unbedingt leistungsfähig sein zu müssen. Nur in diesen geplanten Nächten darf, muß jedoch nicht das Schlafmittel eingenommen werden. Somit ist die kontrollierte Bedarfsintervalltherapie keinesfalls eine spontane Bedarfstherapie und verhindert, daß das nachts aufkeimende Gefühl, schlecht zu schlafen ohne Kontrolle mit dem Griff zur Tablette konditioniert wird. Diese Art der kontrollierten Hypnotikaeinnahme kann einer Abhängigkeitsentwicklung vorbeugen und folgt Fachempfehlungen zur Intervallpharmakotherapie [6].
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37075 Göttingen
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PD Dr. med. Dipl.-Psych. Michael H. Wiegand
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Differentialdiagnostik der Insomnie
Entwurf und Gestaltung
(c) ARCIS Verlag GmbH - München
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